Der Equalizer arbeitet mit einer graduellen Zustimmung und folgender Bewertungsskala:
– gar nicht erfüllt
– teilweise erfüllt
– mehrheitlich erfüllt
– voll und ganz erfüllt
Was wir Menschen selbst nicht erlebt haben, ist für uns schwer vorstellbar. In Organisationen, jedoch auch übergreifenden Projektteams eines Systems erscheint uns dieser Grundsatz oftmals im Kleide von Sätzen wie «Das haben wir aber schon immer so gemacht», «Das haben wir schon versucht, es klappt aber nicht» oder «Das ist unmöglich».
«Eine der Schwierigkeiten in der Beschreibung der Übergänge […], auf der das Neue als Neuerung seine Wirkung entfaltet, besteht darin, dass das zunächst Unsichtbare sichtbar gemacht werden muss. […], Das Sichtbarmachen der Ergebnisse ist unabdingbar dafür, dass das Neue von anderen aufgegriffen, verwendet, angeeignet und verändert werden kann. Es ist Voraussetzung dafür, dass auch die soziale Ordnung kreativ tätig werden kann.» (Nowotny, 2005, S. 119f.)
In der Sozialen Arbeit gestalten wir im Gegensatz beispielsweise zum Produktdesign selten physische Gegenstände, mehrheitlich sind Lösungen im Bereich von neuen Dienstleistungen, Angeboten und Prozessen jedoch auch im Sinne neuer Kooperationsformen angesiedelt, kurz: «stuff that doesn't hurt when you drop it on your toes» (angelehnt an Brown, 2009, S. 92). Wenn wir keine neuen Produkte entwickeln, sondern es «um den Umgang mit dem Vorhandenen geht, wenn Transformation vor allem darauf aufbaut, Kontexte zu verstehen und gemäss einem ausgehandelten Gemeinschaftswillen neu auszuprägen, dann muss Design eine Übersetzungsfunktion einnehmen.» (Beuker, 2016, S. 38). Für die Projektteams in der Sozialen Arbeit ist es somit eine doppelte Herausforderung, sich einen Prototypen der Lösung vorzustellen: das Umsetzen in ein physisches Modell und gleichzeitig die Überwindung innerer Widerstände, weil die Vorgehensweise für Fachpersonen der Sozialen Arbeit oftmals ungewohnt ist. Doch Bilder und Geschichten helfen, jede Idee bezüglich einer erwünschten Zukunft sichtbar und darüber auch verhandelbar zu machen. Dies gilt einerseits gegen innen: Indem ein Projektteam einen Prototypen baut, kann es Funktionalitäten aushandeln und die Idee – welche aus konstruktivistischer Sicht anfällig für Missverständnisse und unterschiedliche Interpretationen ist, solange sie in den Köpfen der Menschen bleibt – vergemeinschaften. Denken mit den Händen zeigt sich in der Praxis als Möglichkeit, Teams gleichberechtigt partizipieren zu lassen.
Andererseits haben Prototypen insbesondere auch gegen aussen eine wichtige Funktion, indem sie ein erwünschtes Zukunftsszenario für Nichtbeteiligte schneller erfassbar und niederschwellig zugänglich machen. Sie machen es allen Anspruchsgruppen möglich, Fragen zu stellen und Feedback zu geben. Mit dem Blick auf vulnerable Zielgruppen und den Auftrag der Sozialen Arbeit, diesen Zugang zum Prozess zu ermöglichen, ist es besonders wichtig, dass die Prototypen für die jeweils spezifischen Voraussetzungen der Testpersonen niederschwellig zugänglich sind. Die externen Repräsentationen der Idee ermöglichen einen Dialog. Es braucht in der Praxis oftmals Überwindung, sich frühzeitig auf das Gestalten von Prototypen einzulassen (ins Machen zu kommen), doch grundsätzlich ist jede Lösungsidee, die aufgezeichnet oder gebaut wird, bereits ein Prototyp. In der Praxis zeigt sich, dass die Kraft des Erzählens und der Bilder spätestens mit regelmässigen Präsentationen allen wieder bewusst wird. Hilfreich ist in der Sozialen Arbeit insbesondere der Einsatz von fiktiven Nutzer:innen als Protagonist:innen der Geschichten, um die Bedürfnisse und den Mehrwert der Lösung für die Betroffenen zu verdeutlichen. Damit wird das verbindende WHY nochmals herausgestrichen und das Vorhaben für Aussenstehende emotional anschlussfähig. Design macht sichtbar, was noch in der Zukunft liegt, und – insbesondere für Personen die nicht am Prozess beteiligt sind – nachvollziehbar. Hilfreich sind hierbei (provokative) Fragen, die Denkprozesse auslösen: Wie wäre eine Zukunft, in welcher es nur noch eine Sozialversicherung gibt? Was würde dies für Betroffene bedeuten? Fachpersonen in der Sozialen Arbeit, die mit lösungsorientierten Beratungsmethoden vertraut sind, sind grundsätzlich bezüglich Zukunftsbildern anschlussfähig, da sie Expert:innen im Stellen von Fragen und Evozieren von erwünschten Zukünften bei Klient:innen sind, um Kraft für Veränderungsprozesse zu entwickeln.
Designer:innen sind aufgefordert, Soziale Innovationen vorstellbar und für die wichtigen Anspruchsgruppen zugänglich zu machen. Wir benötigen also starke Geschichten, Narrationen, die im menschlichen Gehirn gleiche Reaktionen auszulösen vermögen wie das reale Erleben einer Situation (Pyzac, 2019, S. 17), um ein Nachhallen zu erzielen. Oder mit den Worten Walter Benjamins:
«Die in den modernen Medienumwelten omnipräsente Information verbirgt nichts; sie ist selbsterklärend. Damit aber erlischt sie im Moment ihrer Übermittlung. Information hat ihren Lohn mit dem Augenblick dahin, in dem sie neu war. […] Anders die Erzählung; sie verausgabt sich nicht. Sie bewahrt ihre Kraft gesammelt und ist noch nach langer Zeit der Entfaltung fähig.“ (Benjamin, 1980, S. 436f.)
Die Bearbeitung dieser Dimension bedingt auch das Berücksichtigen einer möglichen Skalierung einer Lösungsidee, mit dem Ziel eines Mehrwerts für möglichst viele Betroffene. Schliesslich zielt Soziale Innovation auf Gesellschaftssysteme ab und soll laut Definition von Parpan-Blaser eine nachhaltige Veränderung sozialer Praxis zur Folge haben (Parpan-Blaser, 2011).